10 Tage LARP.
Mir war von vorneherein klar das dieser Zeitraum alleine schon eine Gratwanderung darstellt, daher stand auch von vorneherein die Möglichkeit eines Abbruchs offen im Raum.
Mit der Hoffnung nicht abbrechen zu müssen, sondern viel Spaß zu haben und viel zu erreichen.
Gemeinerweise kippte die Waage genau dann zur falschen Seite, als ich mich in eitler Freude darüber wähnte, wie gut doch alles lief, wieviel Spaß ich hatte, wieviel gutes Rollenspiel stattfand, wie gut ich mich selbst in meine Rolle einfand.
Wie immer war der Anlaß klein, nichtig. Und doch eben genug um den Tropfen darzustellen, der das Faß überlaufen ließ. Der es von einem netten nur unterschwellig anstrengenden Gemeinschaftserlebnis, zu persönlichen Vorhölle werden ließ.
Wie schon einmal erwähnt: Ich brauche meine Rückzugsorte. Und kleine .. nennen wir es Rituale.. die einfach sein müssen um mein körperliches und geistiges Wohlbefinden zu gewährleisten.
Geschrieben von Mela in
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Montag, 25. Juli 2005
Die Nacht von Samstag auf Sonntag. Ein klassischer Alptraum inklusive schweißgebadetem Erwachen. Ich frage mich ja ob 'normale' Leute auch solche Träume haben...
Gerade mal zwei Wochen nach dem letzten großen Aufräum-Befreiungsschlag nähert sich das Chaos schon wieder bedenklichen Ausmaßen. Nicht zu schlimm, sollte man meinen. Dennoch werden die Nachbarn darauf aufmerksam.
Es beginnt mit kleinen Zettelchen an der Tür, die sich darüber mokieren, das wir uns nicht an die Hausordnung halten. Schließlich werden die Zettelchen schlimmer, beschimpfender.
Öffentlich werden die unhaltbaren Zustände angeprangert und Beschwerden gehen beim Vermieter ein... die Kündigung läuft.
Eine Nachbarin paßt mich im Flur ab und beschimpft mich, macht mich fertig. Ich bin paralysiert.. unfähig etwas dazu zu sagen. Unfähig etwas dagegen zu tun.
Ich wache gnädigerweise auf. Aber der Effekt hallt nach.
Geschrieben von Mela in
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Montag, 11. Juli 2005
Wer dieses Blog liesst, wird hin und wieder sicher den Eindruck erhalten das gewissen Verhaltensweisen, die einzeln gesehen vielleicht extrem aber harmlos sind, pathologisiert werden. Die Frage stellt sich natürlich: Soll und muß man ADS oder das Asperger Syndrom pathologisieren?
Meine klare Antwort dazu kann nur Nein! lauten.
Mehrmals in der letzten Zeit habe ich von sehr jungen Leuten, die noch nicht lange volljährig sind, hören müssen das sie schon Psychatrieaufenthalte hinter sich hatten. Einige davon sind inzwischen als Aspie oder ADSler diagnostiziert, aber das sind die Ausnahmen. Die Regel ist, das sie oft dort landeten weil sie 'zu still' waren, oder zu wenig Freunde hatten, oder sich generell nicht sonderlich für die Welt draussen interessierten.
Hier sehe ich mehr den Wunsch der Eltern ein anderes Kind zu wollen und sei es mit Hilfe der Psychatrie und Psychopharmaka, aber nicht den Bedarf der Betroffenen an Hilfe.
Diese litten nicht an sich selbst, nur die Umwelt akzeptierte ihre Verhaltensweise nicht.
Ich bin nicht Psychatrie-ablehnend eingestellt, aber ich sehe das Problem der Psychatrie sehr wohl.
Ihre Handlungs- und Arbeitsweise war oft kein Stück auf die Probleme der Patienten ausgerichtet, sehr wohl aber auf die Ansprüche der Gesellschaft. Sie bemühte sich Verhaltensweisen wegzutherapieren, die dem gesellschaftlichen Wandel unterliegen.
Er greift die Möglichkeit pränataler, genetischer Tests auf Autismus und deren mögliche Folgen auf, weist auf die Verbindung zwischen Autismus und Genie und den Kampf von Asperger-Gruppen gegen Euthanasie an autistischen Föten hin.
Autismus, ganz besonders die Ausprägung Asperger Syndrom, mag in der normalen Welt behindernd wirken und für betroffene Eltern eine Last sein, im Geek-Umfeld jedoch, wirkt ein Aspie jedoch durchaus 'normal'.
So auch der Tenor des Slashdot-Kommentars.
Reizoffenheit ist die Hauptursache des Asperger-Syndroms, aber auch von AD(H)S, Lese-Rechtschreibschwäche und von ... genialen Leistungen.
In welche Richtung diese Reizoffenheit ausschlägt hängt nicht nur von der genetischen Veranlagung ab, sondern auch von der Entwicklung im Kindes- und Jugendalter, sozialen und Umwelteinflüssen und den jeweiligen Lebensumständen. Und es ist ebenfalls nicht für das ganze Leben festgeschrieben.
Eigentlich hatte ich dieses Blog vor allem angelegt um den Fortgang (oder nicht Fortgang) meiner eigenen Therapie zu dokumentieren. Ein Ziel das ich mit der Zeit scheinbar immer mehr aus den Augen verloren hatte.
Daher versuche ich den bisherigen Weg noch einmal zu skizzieren:
Im letzten August begab ich mich zu einem Arzt mit 20 Jahren Erfahrung in der Behandlung von AD(H)S in Therapie. Die medikamentöse Seite wurde mit Edronax begonnen. Ein Erfolg war nicht zu ermessen. Die negativen Nebenwirkungen kamen zwar nicht so geballt wie seinerzeits bei SSRI, aber sie waren da: Antriebslosigkeit, Phantasielosigkeit, mangelnde Libido, allgemeines Gedämpft-Fühlen und keinerlei antidepressive Wirkung.
Danach gab es Ritalin: Wirkung vorhanden, aber die Einnahme war nicht so super. Ohne äußere Struktur rutschte ich in eine beständige Achterbahn von An- und Abfluten der Wirkung, die sich nicht wirklich gut auf Körper und Geist auswirkte. Tagesdosis ging damals bis 60mg/Tag. Es folgte der erste Versuch mit einem Retard-Präperat. Concerta in der 54mg Form.
Bei Concerta war der Wirkstoffspiegel zwar gleichmäßig, danach kam aber Abends der große Rebound-Hammer und ich fühlte mich nach Abflauen des Wirkstoffs eher wie Gemüse als wie ein denkendes Wesen. Konzentration war nach Abflauen allenfalls in mikroskopischen Dosen zu finden.
Zudem schien der Wirkstoffspiegel auch wieder zu gering um andere Erscheinungen von AD(H)S zu dämpfen, z.B. das PMS.
Anschließend der erste Versuch mit Medikinet Retard. Trotz Dosis bis 50mg/Tag blieben Schusseligkeit und andere unangenehme Effekte der AD(H)S bis zu einem unangenehm großen Grad vorhanden.
Geschrieben von Mela in
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Sonntag, 15. Mai 2005
..dann fällt dir es ganz leicht. ...dann geht die Angst weg.
Wie oft hat jeder der unter Phobien gleich welcher Art leidet diese Sätze schon gehört? Gepaart mit 'Du mußt dich einfach mal überwinden'? Wie oft, hat alleine ein solcher Satz schon für Schweißausbrüche oder Schlimmeres gesorgt?
Und wie ignorant muß man eigentlich sein, um es tatsächlich zu glauben? Oder wie effektiv muß man sich belügen das es einem selbst 'so toll' geholfen habe?
Im Dezember 2003/Januar 2004 mußte ich mich der Standard-Behandlung für einen Hörsturz mit darauf folgendem Tinnitus unterziehen. Diese sieht (noch) vor, blutverdünnende Medikamente täglich per Infusion zu verabreichen. Basierend auf der Annahme ein Hörsturz/Tinnitus sei eine Art 'Mikroinfarkt', also eine Verstopfung der feinen Blutgefäße des Innenohres.
Eine Theorie die so langsam in den USA ihre Anhänger verliert, da alle bildgebenden Untersuchungsmethoden, sie nicht stützen können. Dort verlegt man sich drauf, die Patienten aus dem Alltagsstreß herauszunehmen und ihnen einige Tage völlige Ruhe zu gönnen. Eine Methode die keine schlechtere Erfolgsquote hat, als das Vollpumpen mit Blutverdünnern.
Über mehr als zwei Wochen trat ich also täglich beim HNO-Arzt an und ließ mir eine Kanüle in den Arm oder die Hand stecken.
Traumatisch für einen Nadelphobiker, aber immerhin erfüllte ich die Forderung aller Heilsjünger, die das 'immer wieder machen' predigen....
Vermessene Frage? Antwort: Vielleicht. Vermutlich nicht genug.
Sicherlich, ich blogge nicht über die Zustände im Irak, Iran, Tschetschenien, Afghanistan, USA oder nicht einmal über Laternenpfähle die uns besseres Benehmen beibringen sollen.
Aber doch über die ganz kleinen Verletzungen des Menschenrechts im Alltags.
Sei es das es nicht vorgesehen war Behinderte ins Antidiskriminierungsgesetz aufzunehmen, obwohl es, wie man es in Asperger- oder ADS-Foren und Mailinglisten immer wieder sieht, andauernd zu Diskriminierungen durch Schulen oder Behörden kommt.
Sei es, das zum Beispiel immer noch versucht wird Gehörlose auf links zu drehen, aus ihnen quasi unauffällige Gehörlose zu machen in dem man ihnen Cochleaimplantate aufnötigt oder bis in die 90er Jahre hinein versuchte ihre eigene Sprache DGS zu torpedieren - in dem man zum Beispiel DGS an Gehörlosenschulen verbat und rein lautsprachlich unterrichtete.
Oder sei es das Behinderte egal welcher Behinderungsart gezwungen werden den öffentlichen Schulen fernzubleiben und eine qualitativ minderwertige Ausbildung auf einer Behindertenschule in Kauf zu nehmen.
Eine Never-Ending Story mit vielen Mißverständnissen und Fallstricken.
Schon häufiger hatte ich den Eindruck, das mit meinem Gehirn weitgehend alles in Ordnung ist. Die Gedanken, Vorhaben, Bilder die dort entstehen scheinen mitunter so glasklar, so perfekt, so wunderbar und beruhigend. Die Probleme beginnen vor allem dann, wenn meine Gedanken, die Worte oder Bilder aus meinem Hirn herauswollen. Oder Informationen in es hinein.
Dann auf einmal scheint es diesen Knoten zwischen Hirn und Mund, Ohr und Hirn oder Hirn und Extremitäten zu geben. Oder auch eine Art Korken, der mal fester und mal lockerer sitzt.
Dann entsteht eine mässige und vermurkste Zeichnung, weil die Hand dem Bild im Kopf nicht folgen kann. Oder ich renne gegen die Tür, weil die Information das der Abstand zu gering ist, von meinen Extremitäten nicht oder nur unvollständig umgesetzt wird.
Am schlimmsten sind aber die Knoten, die das verbale System betreffen...
Im Medblog erklärt die Sendung mit der Ratte wie Krankenkassen funktionieren und warum sie so ungerne ADSlern die benötigten und wirksamen Medikamente zahlen...
Wir werden mit Reality-Soaps überschwemmt. Ob wir wollen oder nicht, denn das Geld für richtige Spielfilme sitzt bei den Sendern gerade nicht so locker. Vielleicht wäre das ganze ja noch erträglich, wenn nicht so viele dieser Sendungen uns etwas beibringen wollen würden.
Allerdings kein Wissen im herkömmlichen Sinne, wie es Sendungen wie 'Welt der Wunder' auch nur in recht schwachmatiger Weise versuchen. Nein, die Reality-Soaps versuchen uns das 'richtige' Leben nahezubringen. Ob es der richtige Style für das traute Heim oder den vierrädrigen Untersatz ist, richtiges Essen oder das richtige Verhalten im Strassenverkehr.
Und was natürlich auch nicht fehlen darf, ist die richtige Erziehung.
"Supernanny" heisst die Ursprungsversion die, wie alle 'neuen' Errungenschaften im deutschen Fernsehen, aus den USA importiert wurde. Nachahmungen anderer Sender liessen nicht lange auf sich warten.
Das Original selbst habe ich nie angesehen. Ein Glück. Doch die Nachahmungen sind wahrscheinlich nicht weniger schlimm und ich blieb vielleicht ein halbes dutzend Mal beim 'rüberzappen fassungslos und grauenergriffen davor kleben...
Sie gibt sowohl Hinweise zum Erkennen des Syndroms - für den Fall das es einen Verdachtsfall in der Klasse gibt z.B. - aber vor allem einige nützliche Tipps zum Verständnis der Probleme und dem alltäglichen Umgang damit.
Geschrieben von Mela in
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Mittwoch, 23. März 2005
* eckes muss ja zum glueck nur seine frau frei umher laufen lassen um ihr blaue flecken zu machen [bluecrab] eckes: du hast es gut [Abonimog] eckes: und gelegentlich die Möbel verschieben
Geschrieben von Mela in
Gesellschaft
Donnerstag, 17. Februar 2005
Heute war eine Mail auf add-de Anlass um mit Gedanken über ein Thema zu machen. Und zwar nicht die Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol oder Heroin, sondern die Abhängigkeit von Bestätigung und Liebe.
Sinngemäß lautete der Satz der etwas anspringen ließ 'mir fällt nur auf wie sie alles tut um Mami zu trösten wenn sie traurig ist..' und die vorangegangene Mail ließ vermuten das es sich nicht um einen einmaligen Vorfall handelt sondern um ein regelmäßig stattfindendes Ereignis.
Warum ich das schlimm finde?
Jeder Mensch braucht Bestätigung. Das Gefühl einen Sinn im Leben zu haben, nützlich zu sein.
Bei einem Gespräch mit meiner Therapeutin sprach diese mich darauf an, das ich mich ja sehr von anderen abhängig machen würde, wenn ich mir diese Bestätigung nur von aussen holen würde.
Tatsächlich überstieg es meine Vorstellungsmöglichkeiten auch nur in Erwägung zu ziehen, das ein Mensch in sich ruhen könne. Das sein Selbstbewusstsein gesund genug sein könne um nicht Arbeit, Freunde oder sonstige Aktivitäten zu brauchen um diese Sicherheit eines Lebensinhalts und eines Sinns, immer wieder von Neuem aufzufrischen.
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