In wie weit die Angaben zutreffend und überprüfbar sind, da es sich auch bei einem guten Anteil um Post-Mortem Diagnosen handelt, ist natürlich fraglich und diskutierbar, einige der Behauptungen können aber durchaus aus Berichten von Zeitzeugen herausgelesen werden.
Mit dem umfangreichen Fragebogen soll die Depressionsneigung von ADSlern im Erwachsenenalter erforscht werden und in der Zukunft eine bessere Differentialdiagnostig ermöglicht werden.
Ein Ziel das ich definitiv unterstützenswert finde.
Leider ist der Test technisch ziemlich haarsträubend. Er kann nur mit Windows-PCs problemlos durchgeführt werden und auch dort nur mit dem Internet Explorer. Der Schutz per Javascript öffnende Fenster zu unterdrücken, sollte ausgeschaltet werden.
Ebenfalls kann der Test nicht helfen die eigene ADHS-Betroffenheit herauszufinden. Er dient rein der Forschung.
Geschrieben von Mela in
Erfahrungen
Mittwoch, 10. August 2005
AD(H)S als anerkannte Störung ist nach wie vor heiß umkämpft.
Es gibt glühende Gegner - nicht wenige davon handeln aus eigenem finanziellen Interesse - und glühende Befürworter - nicht wenige davon, schießen in ihrem Enthusiasmus auch über das Ziel hinaus und leisten dem Ziel: Verständnis der Störung und der von ihr Betroffenen, sowie der idealen Hilfe für diese damit einen Bärendienst.
Und es gibt die Presse, die sich immer auf die Seite schlägt, die populistisch am besten zu verkaufen ist.
Und das ist derzeit die Seite der Gegner. Somit wird munter behauptet AD(H)S sei nur eine erfundene Krankheit, zappelnde, unkonzentrierte Kinder lediglich verzogen oder unwillig oder bräuchten nur ... genug Grünflächen, genug Auslauf, genug.. von was auch immer man meint das sie bei den heutigen Rabeneltern wahrscheinlich nicht genug bekommen.
Unterstützt wird das ganze dann noch durch Sendungen in der eine Über-Mutter durch die Chaoshaushalte hindurchfegt und eitel Sonnenschein hinterlässt.
Zumindest solange die Kamera draufhält.
Nun könnte man ja hoffen das Spiegel-Leser oder TV-Seher solche Berichte einer kritischen Prüfung unterziehen.. einem Realitätscheck, sozusagen. Doch ebenso könnte man erwarten das unser Schulsystem angesichts der erbärmlichen Pisa-Ergebnisse endlich mit dem Sieben aufhört und damit beginnt die Kinder nach bestem Mögen und Vermögen zu unterrichten.
Tragisch wenn das auf dem Weg 'Intellektuellen-Bildzeitung' erworbene Halbwissen, dann zur absoluten Wahrheit erhoben wird. Noch tragischer, wenn sich gewisse Gestalten nicht entblöden das auch noch in alle Welt hinauszuposaunen...
Wie es beim Live-Rollenspiel nun so ist, wird da auch mal gehauen und verletzt. InTime.. also nur gespielt, und wenn es richtig gespielt wurde, bleibt beim Gehauenen auch alles heil.
Nun ist es nicht immer ganz einfach in der Hitze des Gefechts die Treffer auch mitzubekommen. Nicht einmal für einen neurotypischen Menschen...
Bisher hatte ich eher weniger Probleme damit. Als nicht-kämpfender Charakter kommt man seltener in den Genuß fremde Polsterwaffen zu spüren und ohne groß mitzuzählen wie oft und wo ich getroffen wurde, habe ich mich einfach irgendwann hinfallen lassen. Schreien kann der Charakter sowieso nicht. Praktisch.
So zählte ich nur abendlich die realen blauen Flecken und blutigen Schrammen die ich mir irgendwo zugezogen hatte, ohne ihre Entstehung überhaupt zu bemerken und hatte ansonsten meist das Glück zwei Sinne zusammennehmen zu können. Zu fühlen irgendwo berührt zu werden und zu sehen, wie die Waffe mich berührte.
Anders am vorletzten Tag:
Eine unübersichtliche Kampfsituationen an einem Waldhang. Insa, also ich, über einen Verletzten gebeugt und irgendwas berührt mich irgendwo, gelangt aber erst mal nicht bis ins Bewusstsein.
Eine Feldscherin vom M.A.S.H neben mir: "Du wurdest von einem Wurfdolch getroffen."
Irritiertes Aufsehen meinerseits, knirschender Kickstart der Wahrnehmungsverarbeitung.
"Du wurdest von einem Dolch getroffen! Ins Bein!"
Blick zum Dolch der neben mir auf dem Boden liegt, zum Bein, zur Feldscherin. Ratterndes Verbinden der Informationen.
"Dich hat ein Dolch getroffen, am Bein!"
Endlich kommt die Information im Reaktionszentrum an. Bein, getroffen, rechts? Äh, ne links, also nicht rechts wegsacken lassen, sondern links.. na gut *sack*
Warum Unbekleidetsein nicht gleich Unbekleidetsein ist...
Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass das Schamgefühl von Menschen voneinander abweicht und das es ein derart intimer Bereich ist, der auch dem jeweiligen Individuum zugestanden werden sollte. Leider ist genau das nicht der Fall und immer wieder pfropfen einem Aussenstehende ihr eigenes Gefühl von Scham oder Offenheit auf, oder versuchen es auf ein allgemeingültiges Level herunterzubrechen.
Noch weniger wird akzeptiert das man sich in einer Situation von Person X durchaus unbekleidet zeigen kann, in einer anderen aber nicht.
Aber mal im Ernst. Wer (außer Menschen mit einer sehr hohen Schamgrenze) würde vor dem Arzt der einen mit Sicherheit schon mehr als einmal ohne Kleider gesehen hat, auch in einer anderen Situation die Hüllen fallen lassen wollen?
Menschen sind nicht alle gleich. Man muß also kein Aspie sein um das Recht auf Intimsphäre zu haben. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es - wie man hier sieht - aber leider nicht.
Darum hier mein persönliches Unbedecktheits-Stressometer:
10 Tage LARP.
Mir war von vorneherein klar das dieser Zeitraum alleine schon eine Gratwanderung darstellt, daher stand auch von vorneherein die Möglichkeit eines Abbruchs offen im Raum.
Mit der Hoffnung nicht abbrechen zu müssen, sondern viel Spaß zu haben und viel zu erreichen.
Gemeinerweise kippte die Waage genau dann zur falschen Seite, als ich mich in eitler Freude darüber wähnte, wie gut doch alles lief, wieviel Spaß ich hatte, wieviel gutes Rollenspiel stattfand, wie gut ich mich selbst in meine Rolle einfand.
Wie immer war der Anlaß klein, nichtig. Und doch eben genug um den Tropfen darzustellen, der das Faß überlaufen ließ. Der es von einem netten nur unterschwellig anstrengenden Gemeinschaftserlebnis, zu persönlichen Vorhölle werden ließ.
Wie schon einmal erwähnt: Ich brauche meine Rückzugsorte. Und kleine .. nennen wir es Rituale.. die einfach sein müssen um mein körperliches und geistiges Wohlbefinden zu gewährleisten.
Geschrieben von Mela in
Allgemein
Montag, 25. Juli 2005
Die Nacht von Samstag auf Sonntag. Ein klassischer Alptraum inklusive schweißgebadetem Erwachen. Ich frage mich ja ob 'normale' Leute auch solche Träume haben...
Gerade mal zwei Wochen nach dem letzten großen Aufräum-Befreiungsschlag nähert sich das Chaos schon wieder bedenklichen Ausmaßen. Nicht zu schlimm, sollte man meinen. Dennoch werden die Nachbarn darauf aufmerksam.
Es beginnt mit kleinen Zettelchen an der Tür, die sich darüber mokieren, das wir uns nicht an die Hausordnung halten. Schließlich werden die Zettelchen schlimmer, beschimpfender.
Öffentlich werden die unhaltbaren Zustände angeprangert und Beschwerden gehen beim Vermieter ein... die Kündigung läuft.
Eine Nachbarin paßt mich im Flur ab und beschimpft mich, macht mich fertig. Ich bin paralysiert.. unfähig etwas dazu zu sagen. Unfähig etwas dagegen zu tun.
Ich wache gnädigerweise auf. Aber der Effekt hallt nach.
Geschrieben von Mela in
Allgemein
Montag, 11. Juli 2005
Wer dieses Blog liesst, wird hin und wieder sicher den Eindruck erhalten das gewissen Verhaltensweisen, die einzeln gesehen vielleicht extrem aber harmlos sind, pathologisiert werden. Die Frage stellt sich natürlich: Soll und muß man ADS oder das Asperger Syndrom pathologisieren?
Meine klare Antwort dazu kann nur Nein! lauten.
Mehrmals in der letzten Zeit habe ich von sehr jungen Leuten, die noch nicht lange volljährig sind, hören müssen das sie schon Psychatrieaufenthalte hinter sich hatten. Einige davon sind inzwischen als Aspie oder ADSler diagnostiziert, aber das sind die Ausnahmen. Die Regel ist, das sie oft dort landeten weil sie 'zu still' waren, oder zu wenig Freunde hatten, oder sich generell nicht sonderlich für die Welt draussen interessierten.
Hier sehe ich mehr den Wunsch der Eltern ein anderes Kind zu wollen und sei es mit Hilfe der Psychatrie und Psychopharmaka, aber nicht den Bedarf der Betroffenen an Hilfe.
Diese litten nicht an sich selbst, nur die Umwelt akzeptierte ihre Verhaltensweise nicht.
Ich bin nicht Psychatrie-ablehnend eingestellt, aber ich sehe das Problem der Psychatrie sehr wohl.
Ihre Handlungs- und Arbeitsweise war oft kein Stück auf die Probleme der Patienten ausgerichtet, sehr wohl aber auf die Ansprüche der Gesellschaft. Sie bemühte sich Verhaltensweisen wegzutherapieren, die dem gesellschaftlichen Wandel unterliegen.
Das Ziel die Bildung von Mythen über AD(H)S zu verhindern, scheint zumindest bei der Person des Berichterstatters erreicht worden zu sein:
Zunächst räumte Cordula Neuhaus mit dem Vorurteil auf, ADHS sei eine geistige Behinderung, ein Charakterfehler oder entstehe durch Erziehungsfehler beziehungsweise mangelnde Zuwendung der Eltern. Es sei auch nicht eine gutartige Störung des Kindesalters, da auch Erwachsene betroffen seien.
ebenso Verständnis zu schaffen:
Kinder mit ADHS müssten sich sehr stark disziplinieren und anstrengen, um nur halb so viel zu schaffen wie andere Kinder und seien in ihrer seelischen Entwicklung um bis zu 30 Prozent zurück.
Die Suchtgefährdung sei hoch, da Drogen eine Stimulanz darstellten, auf die ADHS-Betroffene besonders gut ansprächen. Andererseits seien gerade ADHS-Kinder sehr charmant, aufgeweckt, phantasievoll und kreativ. Sie hätten ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und seien vielseitig interessiert.
Sehr wichtig sei es, so Neuhaus, dass Eltern, Lehrer oder andere Bezugspersonen lernten, mit der Störung umzugehen und nicht gegen sie anzukämpfen. Aufklärung durch kompetente Ansprechpartner sei daher der erste Schritt. Daneben sei eine Therapie des Kindes, gekoppelt mit der Gabe eines Methylphenidat-Präparates, die erfolgversprechendste Methode.
Der gesamte Artikel ist lesenswert und kann gut und gerne auch als Kurzerklärung zum Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom dienen.
Am 15. Juni 2005 findet ab 16.30 Uhr in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes ein Vortrag über den Verlauf autistischer Störungen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter statt.
Professor Dr. Fritz Poustka von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Frankfurt / Main, wird in seinem Gast-Vortrag am 15. Juni 2005 besonders den Verlauf autistischer Störungen vom Kindes- zum Erwachsenenalter betrachten.
Professor Poustka und seine Arbeitsgruppe forschen seit vielen Jahren zum Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus und haben insbesondere die standardisierte Diagnostik der autistischen Erkrankungen für den deutschen Sprachraum zugängig gemacht.
Der frühkindliche Autismus und leichtere autistische Störungen wie das Asperger-Syndrom oder der atypische Autismus zeichnen sich durch qualitative Einschränkungen in den drei Bereichen: Soziale Interaktion, Kommunikation und Sprache und stereotypes und repetitives Verhalten aus. Die Erkrankung ist überwiegend genetisch bedingt. Die Einschränkungen der Kinder und Jugendlichen sind üblicherweise am stärksten im Vorschulalter ausgeprägt, bleiben aber in schwächerer Form dauerhaft bestehen.
Sie haben Fragen? Wenden Sie sich bitte an Dr. Christine Freitag, Wissenschaftliche Assistentin, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes, Homburg (Saar), Tel. (06841) 16-24388, Fax: (06841) 16-24397, E-Mail: christine.freitag@uniklinikum-saarland.de
Geschrieben von Mela in
ADS
Dienstag, 14. Juni 2005
Wie die Ärztezeitung online berichtet, bringen neuere Studien klar zu Tage, das die Problematik von ADS nicht mit Kindern getan ist, die ihrer Umwelt auf die Nerven fallen.
Vielmehr leiden die Betroffenen an sich selbst und den, sich aus AD(H)S ergebenden, Komorbiditäten und Folgeerkrankungen:
Die Ärzte hatten bei 433 Kindern und Jugendlichen mit ADHS im Alter zwischen zwei und 18 Jahren festgestellt, daß die Zahl der Begleiterkrankungen zunahmen, je älter die Kinder wurden. Im Alter zwischen sieben und acht Jahren zählten die Ärzte durchschnittlich weniger als eine Begleiterkrankung, bei 17- und 18jährigen waren es schon drei Begleiterkrankungen.
Bei mehr als der Hälfte der Begleiterkrankungen handelte es sich um Störungen des Sozialverhaltens, berichteten die Ärzte beim Kongreß der American Psychiatric Association in Atlanta im US-Staat Georgia.
Darunter werden ein deutliches Maß an Ungehorsam, Streiten, Tyrannisieren sowie häufige Wutausbrüche, Grausamkeiten gegen andere und Lügen verstanden. Häufig waren außerdem Angststörungen, Stimmungsveränderungen, Sprechstörungen und Adipositas.
Begleiterkrankungen, von denen Jungen und Mädchen unterschiedlich stark betroffen sind, erschweren Diagnose und Therapie bei ADHS. Die US-Ärzte weisen darauf hin, daß Eltern und Lehrer der betroffenen Kinder Anzeichen von Angst oder emotionalen Problemen eher unterschätzten.
Ärzte Zeitung, 14.06.2005
Dies zeigt erneut das eine frühe Therapie selbst bei den scheinbar 'unproblematischen' AD(H)S-Kindern sinnvoll und notwendig ist.
Geschrieben von Mela in
Fundsachen
Montag, 13. Juni 2005
Auch wenn es nicht zum Thema dieses Blogs gehört, möchte ich den Link hier verbloggen der mit heute zugeworfen wurde.
Da über Trisomie 21 scheinbar ebensoviel Unfug in die Welt gesetzt wurde und wird, wie über die diversen Erscheinungsformen von Autismus und AD(H)S, sehe ich die Betroffenen irgendwie als 'Friends and Family'...
Lange Zeit nahm man an, dass Kinder mit Down-Syndrom nicht sprechen, schreiben und lesen lernen können. Doch eine Hamburger Pädagogin ist da anderer Meinung.
Wieder einmal zeigt sich, das (hyperaktive) ADSler gerade unter Spitzensportlern zu finden sein können. US Schwimmstar Michael Phelps ist ein solches Beispiel.
Michael Phelps ist nicht gemacht für das Leben an Land. Er war ein, wie man sagt, schwieriges Kind, litt am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADS und musste lange Zeit dagegen Medikamente schlucken. Es war eine unendliche Mühsal für Eltern und Lehrer, ihn durch die Schule zu schleusen. Selbstbewusstsein aus seinem Körper zu ziehen blieb ihm in den meisten Sportarten verwehrt. Er ist hyperflexibel in allen seinen Gelenken, weshalb seine Bewegungen auf eine groteske Art unkoordiniert wirken. Schon das Joggen bereitet ihm Probleme. Phelps läuft Gefahr, bei kleinsten Unebenheiten umzuknicken und seine Bänder zu schädigen. Doch im Wasser fügt sich eines zum anderen. Seine langen Arme und der lang gestreckte Oberkörper, der mit den erstaunlich kurzen Beinen gar nicht harmonieren will, werden im Becken zu seinen besten Waffen. Phelps verleiht seinen 1,93 m mit 88 kg eine Schnelligkeit, die ihn am 30. März 2001 über 200 m Schmetterling zum jüngsten Weltrekordler (1:54,92 Minuten) überhaupt machte. 15 Jahre und neun Monate war er damals alt. Inzwischen hat er 13 Weltrekorde aufgestellt.
Interessanterweise engagiert sich Michael Phelps ausserhalb des Pools als Honorary Board Member of Pathfinders for Autism. Natürlich ein vornehmlich pressewirksames Engagement, aber wer mag wissen wieviel persönliche Erfahrung dahinter steckt?
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