Schon öfter in diesem Blog habe ich auf die
Verantwortung hingewiesen die Ärzte besitzen. Eine Verantwortung die auch im
Eid des Hippokrates festgehalten wurde, aber heute scheinbar an Bedeutung verloren hat.
Nun gut, Psychologen sind keine Ärzte, aber auch sie arbeiten in einem heilenden oder zumindest beratenden Beruf und sollten ihren Patienten, Kunden oder was auch immer, nach bestem Mögen und Vermögen helfen.
Keinesfalls sollten sie den Eindruck erwecken ignorant oder desinteressiert zu sein, oder mit den Gedanken schon im Golfclub.
Wer einen Psychologen aufsucht, hofft auf Hilfe oder Rat bei einem akuten oder andauernden Problem und möchte sich keinesfalls so fühlen als würde er dem Menschen hinter dem Schreibtisch die Zeit stehlen. Als wären seine Probleme zu klein und nichtig um den großen Guru fragen zu dürfen, oder einfach nur lästig...
Doch so fühlte sich vermutlich meine Mutter als sie wegen der Legasthenie meiner Schwester einen Psychologen aufsuchte. Der einige Tests mit dieser durchführte und auf die Frage meiner Mutter ob es denn eine Legasthenie sei, lapidar mit "Legasthenie gibt es nicht" antwortete und ihr verschämt die Adresse eines Ergotherapeuten zuschob.
Weitere Hilfe: Fehlanzeige.
Dieses Ereignis war eine Art
Déjà-vu...
Schon einmal hatte meine Mutter den Rat eines Psychologen gesucht, auch wenn ich damals über die Beweggründe alles andere als begeistert war.
Ich hatte gerade eine Ehrenrunde gedreht, und meine Eltern hatten von meiner 'Faulheit' und allen anderen Macken die Nase voll. Der Psychologe wurde meiner Mutter von einer Kollegin.. oder einer Freundin einer Kollegin empfohlen. Er sollte wahre Wunder vollbringen...
Den Jungen der Tippgeberin sollte nach einer Therapie dort zu einem ganz neuen Menschen geworden sein. Kreativ, aktiv. er sollte ganz tolle Sachen bastel und malen und was weiß ich noch alles.
Frustrierend daran fand ich schon das ich selbst sehr wohl kreativ war, doch bei mir zuhause immer die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen wurden, wenn ich nur eine Klopapierrolle aufheben wollte um daraus etwas zu basteln. Von mir gemalte Bilder, die ich meinen Eltern präsentierte oder schenkte, fand ich am nächsten Morgen mit den Glasrändern auf dem Wohnzimmertisch, statt das damit ganze Wände tapeziert wurden wie in anderen Familien.
Kein Wunder das ich also meine Kreativität irgendwann lieber für mich selbst behielt, denn ich konnte sie zumindest würdigen.
Frustrierend auch die Erkenntnis, das meine Eltern keine glücklichere Version meiner selbst wollten, sondern ein besseres, quasi runderneuertes, Kind.
Dennoch verband ich eigene Hoffnungen mit dem Besuch beim Psychologen und war daher gar nicht unwillig. Ich hoffte auf einen Menschen zum reden. Jemand der mich verstehen würde, während mich die Welt nicht verstand und ich sie nicht. Vielleicht sogar jemand der mir helfen konnte, meinen Platz in dieser beunruhigenden Welt zu finden.
Das düstere Haus in Kaiserslauter an der Lauterstraße(?) hätte mich warnen sollen.. ebenso das Mädchen das sich heulend gegen ihren Termin sträubte. Aber ich war während der ganzen Wartezeit immer noch guten Mutes. Erst als er meine Mutter hereinbat und mich draussen sitzen ließ kamen mir die ersten Zweifel.
Diese sollten sich schnell verdichten als ich nach einer geschlagenen Stunden endlich hereingerufen wurde.
Ich hatte von Anfang an gehofft alleine mit dem Psychologen reden zu können, um offen sprechen zu können und mit ihm Dinge zu teilen die ich noch nie jemandem erzählt hatte. Gedanken, Ängste von der Seele sprechen zu können ohne mich dauernd zu schämen.
Doch statt meine Mutter aus dem Zimmer zu bitten und sich nun meine Version der ganzen Geschichte anzuhören, betete er vor ihren Ohren alles herunter was sie ihm in einer Stunde erzählt hatte. Alle Dinge die ich angeblich falsch machte, wurden mir so in komprimierter Form vor den Latz geknallt, statt sie wenigstens dosiert über die Tage, Wochen, Monate und Jahre vorgekaut zu bekommen.
In kürzerer Zeit hatte noch kein Mensch geschafft mein Vorschußvertrauen zu zertrümmern.
Ich machte komplett dich, behauptete stur das sei alles gar nicht so wie meine Mutter behauptete. Und auch das mit den fehlenden Freunden würde sich nun ändern da ich in eine neue Klasse käme in der alles ander sei als in der alten.
So war natürlich weiter nichts zu erreichen. Weder was er sich auch immer vorgestellt hatte, was meine Mutter sich vorgestellt haben mag und auch nicht was ich mir erhofft hatte.
Ich wurde noch einmal dorthin bestellt um diversen Tests unterzogen zu werden. Danach teilte der Herr meiner Mutter noch mit, das ich sehr intelligent sei eine Rechtschreibeschwäche hätte und er mir sonst nicht helfen könne.
Klarer Fall von Beruf verfehlt.