
In den letzten Tagen häufen sich in der Newsgruppe
de.alt.soc.aufmerksamkeitsdefizit die verzweifelten Meldungen alleine gelassener Eltern, deren Kinder bisher erfolgreich auf ein Retard-Medikament wie
Ritalin SR,
Ritalin LA oder
Concerta eingestellt waren. [
Thread 1] - [
Thread 2]
Die Aussagen sind immer die Gleichen: Ritalin SR, Ritalin LA und Concerta werden seit Beginn dieses Jahres nicht mehr von den Kassen bezahlt.
Die Begründung dafür ist nicht ganz durchsichtig.. mit anderen Worten: Niemand weiß etwas genaues. Die Folgen für die Betroffenen sind dafür um so gravierender...
Es dauert seine Zeit, bis ein ADS-Kind, oder auch ein ADS-Erwachsener auf die richtige Dosis eingestellt ist. Jeder reagiert auf das Stimulanz anders. Es kann weder am Körpergewicht, noch am Alter oder an der Ausprägung der Beschwerden eine Idealdosis festgemacht werden.
Durch Trial-and-Error Verfahren muß das richtige Präparat und die richtige Dosis ermittelt werden. Ich selbst habe sogar den Eindruck das meine Dosis je nach Tagesform anders anschlägt.
Eine Dosis- oder Präperatumstellung sollte ohne medizinische Notwendigkeit vermieden werden, bedeutet es doch eine monatelange Achterbahnfahrt für alle Beteiligten.
Besonders ins Gewicht fällt eine solche Zeit für Kinder und Jugendliche. Denn was in dieser Zeit versäumt wird, an Prüfungen versiebt oder an Abschlüssen nicht erreicht wird, wirkt sich auf den Rest des Lebens aus.
Selbst für erwachsene Menschen ist es schwer mit normalem Ritalin, Medikinet oder Equasym so zu dosieren, das der Tag nicht nur aus einem ständig an und abflauen des Medikaments besteht.
Ich merke das selbst täglich. Ist die volle Wirkung endlich da, koennte ich eigentlich schon bald die Folgedosis nennen, denn warte ich zulange damit, merke ich nicht wie ich in den Rebound rutsche und ich vor lauter Unkonzentriertheit und hüpfenden Gedanken die Folgedosis auf Stunden hinaus vergesse.
Das eigentliche Behandlungsziel: Eine stabile Wirkstoffkonzentration und ein strukturierter Tagesablauf ist so kaum zu gewinnen.
Bei Kindern erhöht sich dieses Problem noch einmal, denn die Therapiebereitschaft sinkt natürlich mit dem Masse mit dem sie die ständigen Medikamenteneinnahmen nerven.

Nun fällt also den Krankenkassen nichts anderes ein, als Medikamente die aus zwei guten Gründen therapeutisch sinnvoll sind - der gleichmäßigen Wirkstoffkonzentration und der Tatsache das hunderte oder tausende Kinder bereits erfolgreich auf diese Präperate eingestellt sind - aus dem bezahlten Spektrum zu nehmen und die erfolgreiche Behandlung von ADS zur Privatsache zu machen.
Es ist nicht der Sinn einer Krankenkasse, die medizinisch sinnvollste Behandlung zu verweigern.
Die Ursache dieser plötzlichen Maßnahme und die Möglichkeiten die entsprechenden Präparate wieder in die Behandlung aufzunehmen, müssen noch herausgefunden werden.