
Weihnachten...
Ich wurde schon als Kind gründlich gegen jeden Weihnachtstaumel geimpft.
Eine sehr idealisierte Vorstellung des Weihnachtslebens ließ eben jenes zur alljährlichen Hölle werden. Wenn das sonstige Familienleben schon zu wünschen übrig ließ, sollte wenigstens der Weihnachtsabend perfekt werden.
Doch da unsere Familie eben der Perfektion nicht gerade nahestand, wurde der Vor- und Nachmittag des 24. immer zu einer Art Kriegsschauplatz mit gegenseitigem Angebrülle, Tränen und Drohungen in der Art: 'Dann gibt es heute keine Geschenke'.
Punkt achzehn Uhr mußten dann alle Tränen getrocknet sein und das Weihnachtslächeln aufgesetzt. Dann wurden die Lichter am, unter Streit geschmückten, Baum angezündet und Geschenke gab es natürlich trotz aller Drohungen.
Auf diese Weise kam jedenfalls nie Weihnachtsstimmung bei mir auf.. oder Freude auf einen anderen Aspekt als den, danach Dinge zu besitzen die ich vorher nicht besaß. Und mit zunehmendem Alter zweifelte ich immer stärker daran das diese den vorhergehenden Streß wert waren.
Über das Ausmaß meiner Panik vor dem alljährlichen Bürgerkrieg kann mein Geliebter das eine oder andere Liedchen singen. Einmal drehten wir direkt vor dem Ziel wieder ab, als mich eine Panikattacke ergriff, und gingen, statt Weihnachten im Schoße der Familie zu feiern, zu Pizza Hut essen...
Aber apropos singen...
Zum perfekten Familienweihnachten gehörte natürlich auch das Absingen von Weihnachtsliedern.
Im Haushalt meiner Großmutter kann ich das noch halbwegs nachvollziehen. Schließlich ist sie in der evangelischen Kirche engagiert und singt dort auch im Kirchenchor. In meiner eigenen, komplett atheistischen Familie kann ich den Sinn von christlichen Liedern nun ganz und gar nicht mehr einsehen.
Aber ganz abgesehen von Verständnisproblemen...
Meine Familie ist nicht unbedingt mit Musikalität gesegnet. Zwar gehörte es irgendwie zu ihrer Vorstellung eines gutbürgerlichen Lebens, und so wurde mir und meinen Schwestern der Musikunterricht irgendwie aufs Auge gedrückt. Aber geholfen hat es nur marginal. Gerade singen kann eigentlich keiner meiner Verwandten. Geschweigedenn auch nur einen Ton halten oder die natürliche Stimmlage herausfinden, statt in einem viel zu hohen und unpassenden Sopran zu quietschen.
Die Texte der Lieder kennt auch niemand.. und so gerät diese erzwungene Passage des Weihnachtsfestes immer zu einer sehr peinlichen Episode, die einem Menschen mit Reizfilterschwäche körperliche Schmerzen bereitet. Festlich ist es jedenfalls nicht und schon gar nicht schön...
'Joululaulu' ist übrigends das finnische Wort für 'Weihnachtslied'. Man hat den Eindruck die Finnen wissen worüber sie reden.
Vielen Dank für diesen Hinweis an ROCxolan.