Wie schon in
meinem gestrigen Artikel erwähnte war ich vom 29. - 31.10.2004 auf dem
EuroBSDCon 2004.
Mit einem Tag Tutorial und zwei Tagen Vorträgen von leicht technisch bis extrem technisch, war meine schwankende Aufmerksamkeit auf eine harte Probe gestellt.
Die meisten Geeks sind sprachlich nicht unbedingt die größten Helden und so sind Vorträge die mit eintöniger Stimme und nuschelndem Englisch gehalten werden, eher die Regel als die Ausnahme.
Und da war dann noch mein Problem, das jedes Thema auf das mich im aktuellen Moment nicht brennend interessiert ein hohes Maß an Selbstdisziplin fordert um überhaupt bei der Sache zu bleiben.
Doch inzwischen habe ich ja das Helferlein Ritalin und so war es an der Zeit meine Aufmerksamkeit waehrend des BSDCons mit der während anderer ähnlicher Events wie der
SANE in den Niederlanden oder den Frühjahrs-Fachgesprächen der
GUUG zu vergleichen...
Freitags hatte ich ein ganztägiges Tutorial gebucht, mit dem relativ anspruchsvollen Inhalt "Debugging FreeBSD Kernel Problems". Gehalten wurde es von
Greg Lehey, einem Australier und Ex-Core-Team Member.
Ich hatte den Tag früh begonnen und um 7:30 ein kleines Frühstück eingenommen, wissend das ich eine Grundlage für die Ritalin-Einnahme brauchte. Die Dosis (20mg Einzeldosis) wollte ich erst später nehmen um die Wirkdauer optimal auf die Zeit des Tutorials zu legen.
Ich nahm die Tabletten dann um 8:45 ein. Das Tutorial sollte um 9:00 beginnen. Das Frühstück war lange genug her, also sollte theoretisch die Wirkung schnell eintreten. Dachte ich...
Nur mit allergrößter Anstrengung konnte ich mich auf Greg Lehey konzentrieren, denn die Klimaanlage rauschte, durch die offene Tür konnte ich Geräusche aus der Hotelküche vernehmen als stünden die Köche direkt neben mir. Andere Teilnehmer husteten, raschelten mit Papieren oder öffneten oder schlossen ihre Taschen. All das war mir viel präsenter als der Lernstoff.
Eine etwas verbesserte Konzentration stellte sich erst gegen 9:35 ein.
Doch weiterhin blieben die Ablenkungen. Durch die dünne Trennwand zwischen den Sitzungssälen hörte Fetzen des Vortrags von nebenan, ausserdem permanentes Shell-Beepen eines Teilnehmers der scheinbar während des Tutorials an seinem Laptop arbeitete oder experimentierte.
Greg Lehey selbst sprach in einem dumpfen Englisch, wurde nicht über ein Mikrofon verstärkt und war daher bei meinem Sitzplatz nur noch schwer zu verstehen.
Ab etwa 10:10 schwenkt er zu Hardware-Interna, bei denen mein lückenhaftes Vorwissen das Folgen noch schwieriger werden läßt.
Auffällig ist nur, das ich mich nicht - wie so oft sonst - gegen das Einschlafen wehren musste.
Doch ich fiel nach einiger Zeit in mein altes Muster zurück. Eigenständig sprang ich im Stoff, las Textstellen während noch ganz andere besprochen wurden.
Gegen 12:10, über eine halbe Stunde vor der Mittagspause, wurde ich dann allerdings doch müde.
Die nächste Dosis nahm ich mit dem Mittagessen ein. Doch am Nachmittag war es um meine Konzentration vollendens geschehen. Machten schon am Vormittag einige technischen Schwierigkeiten das Tutorial chaotisch, wurde es nun vollendens unstrukturiert.
Mit viel zu kleinem Font stellte Greg Lehey auf dem Beamer Codeschnippsel und Vorgänge dar und nuschelte kurze Erklärungen von denen ich kaum eine rein akustisch verstand.
Ich war erleichtert als auf seine Frage "Are everybody with me." hin, ich nicht die einzige war, die den Kopf schüttelte.
Der einzige Unterschied zu einem Tag ohne Ritalin, war hier für mich wieder die Tatsache das ich trotz der unbefriedigenden Situation nicht drohte einzuschlafen.
Der zweite Tag war etwas hektischer und so kam ich mit weitgehend knurrendem Magen an.
Keiner der ersten vier Vorträge konnte meine Konzentration wirklich für sich gewinnen. Erst die letzten beiden erhielten meine ungeteilte Aufmerksamkeit nämlich "Making life easy with FreeBSD filesystem snapshots" und der nicht-technische Vortrag von Dru Lavigne.
Direkt anschließend fand der Social Event in der Nancyhalle statt. Luigi Colani selbst sollte uns durch seine Ausstellung führen und ich schätze hier hatte ich zum ersten Mal etwas das sich wie ein Rebound anfühlte.
Während ich versuchte dem Vortrag Colanis zuzuhören hatten sich zwei Teilnehmerinnen zu uns gesellt, die rein vom Alter her allerhöchstens Verwandte eines der Veranstalters sein konnten.
Leider benahmen sie sich nicht wie Teilnehmerinnen einer Führung durch eine exquisite Design-Ausstellung, sondern wie dumme Hühner während einer Shoppingtour.
Nicht nur standen sie direkt vor einem Objekt herum das Colani gerade im Begriff war zu erklären und das man nur wegen ihnen nicht genau unter die Lupe nehmen konnte, nein sie führten auch noch einen ausführlichen, privaten Schwatz, der - direkt neben meinem Ohr - in der Lage war auch die mikrofonverstärkten Erklärungen Colanis zu übertönen.
Innerhalb einer Minute war ich agressiv genug um sie direkt gegen die nächste Wand zu klatschen, doch natürlich blieb es bei einem geschnauzten Hinweis das ich dem Vortrag zuhören möchte.
Später wurde es zwar besser, aber ich wurde auf dem Social Event nicht alt.
Am dritten Tag konnte mich zum ersten Mal ein Vortrag wirklich fesseln, nämlich "SysAdmin Education in the virtual Unix Lab", ebenso danach "Integratin Monitoring Data" obwohl er sich mit den theoretischen und mathematischen Hintergründen des Monitorings beschäftigte. (Und bekanntlichermaßen bin ich eher der Typ fürs Praktische)
Unmöglich für mich zu folgen wurde es fast in Adrian Penisoaras "Handeling FreeBSDs latest firewall semantics and frameworks". Zwar interessierte mich das Thema brennend, doch war das Englisch des Vortragenden gelinde gesagt anstrengend.
Mein Fazit dieses dreitägigen 'Ritalinwirkungstests':
Noch immer bin ich viel zu sehr darauf angewiesen das mich ein Thema interessiert.. bin ich zu abhängig von den Launen meines Hirns... Noch immer ist es Schwerstarbeit sich auf ein Thema zu konzentrieren, das diese Reizschwelle nicht schafft.
Da wäre definitiv noch einiges zu machen.
Einen wirklichen Erfolg sehe ich nur darin das der Schlafdrang bei Langeweile oder Überforderung ausbleibt.