Geschrieben von Mela in
Allgemein
Montag, 8. November 2004
Tische sind erstaunlicherweise der Ort, an dem man seinen sozialen Status am einfachsten ablesen kann.
Zum einen wären da die Schultische, die im Allgemeinen immer zwei Schülern einen Platz bieten, zum anderen wären da Esstische bei Veranstaltungen, Klassenfahrten, Wandertagen oder später auch in Kantinen.
Nur selten hatte ich an besagten Schultischen einen Nebensitzer. Einmal ganz zu Anfang der Schulzeit, als die Plaetze noch hochherrschaftlich von der Lehrerin vergeben wurden. Dann später eine andere 'Unbeliebte' als niemand sonst neben uns sitzen wollte.. und irgendwo mußten wir ja bleiben. Dummerweise konnten wir uns gegenseitig nicht ausstehen und so verband das das Stigma der 'Stehengelassenen' auch noch mit täglichem Kleinkrieg.
Erst viel später im Gymnasium saß ein Mädchen freiwillig neben mir. Aber das war auch eine Klasse in der die etwas schrägen Individualisten eindeutig in der Überzahl waren, und die eher normalen Schüler deutlich untergingen.
Von einem Jungen der extremer häuslicher Gewalt ausgesetzt war, über ein Mädchen die in der harmonischsten Familie die ich je erlebt habe, mit immerhin 6 Schwestern auf Hof ganz weit draussen wohnte, einem Mädchen das von seinem Vater zu einer kleinen zweiten Steffi Graf getrimmt werden sollte, und dabei sowohl als Steffi Graf Surrogat als auch in der Schule versagte, bis hin zu einem Heavy Metal Freak, der lange Zeit in einem 'White Trash'-Umfeld in den USA verbracht hatte...
Alleine dieses Umfeld stellte eine Ausnahme in dem üblichen Schema dar, in dem ich meine Zeit alleine an Tischen verbrachte.
Besonders äuffällig wurde das Gemiedenwerden dann auch immer am Esstisch.
Hatte ich schon an einem freien Tisch Platz genommen, schienen alle um mich herum solange gezielt alle anderen Tische anzusteuern, bis dort wirklich kein Platz mehr war. Erst dann, wenn abzusehen war das kein anderer Platz zu haben war.. kamen sie mit Leichenbittermiene an den verbliebenen Tisch und rückten weit genug ab, das deutlich genug war, das eine Unterhaltung mit mir ungefähr mit Innereien zum Mittagessen um den Platz als unwillkommenstes Erlebnis rang.
An diese Art Erlebnisse fühlte ich mich vor etwas über einer Woche auf einmal unwillkürlich erinnert... wenn auch auf durchaus positive Weise...
Ich besuchte den
EuroBSDCon 2004 auf dem natürlich nur ein Typus Mensch anwesend war:
Geeks
Wenn ich mich während der Zeit auch nicht wirklich sozial betätigte.. (Ich habe mich nich getraut
Dru Lavigne anzusprechen obwohl wir vorher schon mal im Mailwechsel standen.. aber immerhin hatte ich ein paar
OpenBSD Leute angesprochen ob sie nicht noch etwas den Social Event bei uns ausklingen lassen wollen. Wollten sie nicht, aber das machte dann auch nichts).. so war es doch im Großen und ganzen sehr angenehm mal wieder komplett unter Leuten zu sein die einfach anders ticken...
Sonntags ließ ich einen Vortrag vor dem Mittagessen sausen und nutzte die Zeit mich nicht an der Schlange anstellen zu müssen, die sich sofort Schlag Mittagspause um das Bufett ringelte. So hatte ich genau das bekannte Szenario: Viele freie Tische und mittendrin Mela.
Doch anders als gewohnt steuerten nicht alle andere Tische an, sondern ein bekanntes Gesicht kam direkt zu mir.. und noch eines.. und noch eines..
Somit ist die Frage der Lebensqualität vor allem auch eine Frage des Umfeldes in dem man sich bewegt...



Wie schon in meinem gestrigen Artikel erwähnte war ich vom 29. - 31.10.2004 auf dem EuroBSDCon 2004. Mit einem Tag Tutorial und zwei Tagen Vorträgen von leicht technisch bis extrem technisch, war meine schwankende Aufmerksamkeit auf eine harte Probe
Aufgenommen: Nov 09, 04:42