Das Ziel die Bildung von Mythen über AD(H)S zu verhindern, scheint zumindest bei der Person des Berichterstatters erreicht worden zu sein:
Zunächst räumte Cordula Neuhaus mit dem Vorurteil auf, ADHS sei eine geistige Behinderung, ein Charakterfehler oder entstehe durch Erziehungsfehler beziehungsweise mangelnde Zuwendung der Eltern. Es sei auch nicht eine gutartige Störung des Kindesalters, da auch Erwachsene betroffen seien.
ebenso Verständnis zu schaffen:
Kinder mit ADHS müssten sich sehr stark disziplinieren und anstrengen, um nur halb so viel zu schaffen wie andere Kinder und seien in ihrer seelischen Entwicklung um bis zu 30 Prozent zurück.
Die Suchtgefährdung sei hoch, da Drogen eine Stimulanz darstellten, auf die ADHS-Betroffene besonders gut ansprächen. Andererseits seien gerade ADHS-Kinder sehr charmant, aufgeweckt, phantasievoll und kreativ. Sie hätten ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und seien vielseitig interessiert.
Sehr wichtig sei es, so Neuhaus, dass Eltern, Lehrer oder andere Bezugspersonen lernten, mit der Störung umzugehen und nicht gegen sie anzukämpfen. Aufklärung durch kompetente Ansprechpartner sei daher der erste Schritt. Daneben sei eine Therapie des Kindes, gekoppelt mit der Gabe eines Methylphenidat-Präparates, die erfolgversprechendste Methode.
Der gesamte Artikel ist lesenswert und kann gut und gerne auch als Kurzerklärung zum Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom dienen.
Am 15. Juni 2005 findet ab 16.30 Uhr in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes ein Vortrag über den Verlauf autistischer Störungen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter statt.
Professor Dr. Fritz Poustka von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Frankfurt / Main, wird in seinem Gast-Vortrag am 15. Juni 2005 besonders den Verlauf autistischer Störungen vom Kindes- zum Erwachsenenalter betrachten.
Professor Poustka und seine Arbeitsgruppe forschen seit vielen Jahren zum Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus und haben insbesondere die standardisierte Diagnostik der autistischen Erkrankungen für den deutschen Sprachraum zugängig gemacht.
Der frühkindliche Autismus und leichtere autistische Störungen wie das Asperger-Syndrom oder der atypische Autismus zeichnen sich durch qualitative Einschränkungen in den drei Bereichen: Soziale Interaktion, Kommunikation und Sprache und stereotypes und repetitives Verhalten aus. Die Erkrankung ist überwiegend genetisch bedingt. Die Einschränkungen der Kinder und Jugendlichen sind üblicherweise am stärksten im Vorschulalter ausgeprägt, bleiben aber in schwächerer Form dauerhaft bestehen.
Sie haben Fragen? Wenden Sie sich bitte an Dr. Christine Freitag, Wissenschaftliche Assistentin, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes, Homburg (Saar), Tel. (06841) 16-24388, Fax: (06841) 16-24397, E-Mail: christine.freitag@uniklinikum-saarland.de
Geschrieben von Mela in
ADS
Dienstag, 14. Juni 2005
Wie die Ärztezeitung online berichtet, bringen neuere Studien klar zu Tage, das die Problematik von ADS nicht mit Kindern getan ist, die ihrer Umwelt auf die Nerven fallen.
Vielmehr leiden die Betroffenen an sich selbst und den, sich aus AD(H)S ergebenden, Komorbiditäten und Folgeerkrankungen:
Die Ärzte hatten bei 433 Kindern und Jugendlichen mit ADHS im Alter zwischen zwei und 18 Jahren festgestellt, daß die Zahl der Begleiterkrankungen zunahmen, je älter die Kinder wurden. Im Alter zwischen sieben und acht Jahren zählten die Ärzte durchschnittlich weniger als eine Begleiterkrankung, bei 17- und 18jährigen waren es schon drei Begleiterkrankungen.
Bei mehr als der Hälfte der Begleiterkrankungen handelte es sich um Störungen des Sozialverhaltens, berichteten die Ärzte beim Kongreß der American Psychiatric Association in Atlanta im US-Staat Georgia.
Darunter werden ein deutliches Maß an Ungehorsam, Streiten, Tyrannisieren sowie häufige Wutausbrüche, Grausamkeiten gegen andere und Lügen verstanden. Häufig waren außerdem Angststörungen, Stimmungsveränderungen, Sprechstörungen und Adipositas.
Begleiterkrankungen, von denen Jungen und Mädchen unterschiedlich stark betroffen sind, erschweren Diagnose und Therapie bei ADHS. Die US-Ärzte weisen darauf hin, daß Eltern und Lehrer der betroffenen Kinder Anzeichen von Angst oder emotionalen Problemen eher unterschätzten.
Ärzte Zeitung, 14.06.2005
Dies zeigt erneut das eine frühe Therapie selbst bei den scheinbar 'unproblematischen' AD(H)S-Kindern sinnvoll und notwendig ist.
Geschrieben von Mela in
Fundsachen
Montag, 13. Juni 2005
Auch wenn es nicht zum Thema dieses Blogs gehört, möchte ich den Link hier verbloggen der mit heute zugeworfen wurde.
Da über Trisomie 21 scheinbar ebensoviel Unfug in die Welt gesetzt wurde und wird, wie über die diversen Erscheinungsformen von Autismus und AD(H)S, sehe ich die Betroffenen irgendwie als 'Friends and Family'...
Lange Zeit nahm man an, dass Kinder mit Down-Syndrom nicht sprechen, schreiben und lesen lernen können. Doch eine Hamburger Pädagogin ist da anderer Meinung.
Wieder einmal zeigt sich, das (hyperaktive) ADSler gerade unter Spitzensportlern zu finden sein können. US Schwimmstar Michael Phelps ist ein solches Beispiel.
Michael Phelps ist nicht gemacht für das Leben an Land. Er war ein, wie man sagt, schwieriges Kind, litt am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADS und musste lange Zeit dagegen Medikamente schlucken. Es war eine unendliche Mühsal für Eltern und Lehrer, ihn durch die Schule zu schleusen. Selbstbewusstsein aus seinem Körper zu ziehen blieb ihm in den meisten Sportarten verwehrt. Er ist hyperflexibel in allen seinen Gelenken, weshalb seine Bewegungen auf eine groteske Art unkoordiniert wirken. Schon das Joggen bereitet ihm Probleme. Phelps läuft Gefahr, bei kleinsten Unebenheiten umzuknicken und seine Bänder zu schädigen. Doch im Wasser fügt sich eines zum anderen. Seine langen Arme und der lang gestreckte Oberkörper, der mit den erstaunlich kurzen Beinen gar nicht harmonieren will, werden im Becken zu seinen besten Waffen. Phelps verleiht seinen 1,93 m mit 88 kg eine Schnelligkeit, die ihn am 30. März 2001 über 200 m Schmetterling zum jüngsten Weltrekordler (1:54,92 Minuten) überhaupt machte. 15 Jahre und neun Monate war er damals alt. Inzwischen hat er 13 Weltrekorde aufgestellt.
Interessanterweise engagiert sich Michael Phelps ausserhalb des Pools als Honorary Board Member of Pathfinders for Autism. Natürlich ein vornehmlich pressewirksames Engagement, aber wer mag wissen wieviel persönliche Erfahrung dahinter steckt?
Auch dieses Jahr wurde ich von der Informationsfülle und Qualität nicht enttäuscht, nachdem mich das Symposium letzten Jahr schon überzeugt hatte.
Die Veranstaltung ist eigentlich immer ausserordentlich gut besucht. Letztes Jahr erhielt man den Eindruck das sogar die Stehplätze besetzt waren, aber diesesmal waren zum Glück noch relativ einfach Sitzplatze zu bekommen. Sogar in der 2. Reine .
Leider hatte Cordula Neuhaus relativ knapp Krankheitsbedingt absagen müssen. Die schnell eingesprungenen Ersatzreferenten ließen qualitativ jedoch nichts vermissen.
Er greift die Möglichkeit pränataler, genetischer Tests auf Autismus und deren mögliche Folgen auf, weist auf die Verbindung zwischen Autismus und Genie und den Kampf von Asperger-Gruppen gegen Euthanasie an autistischen Föten hin.
Autismus, ganz besonders die Ausprägung Asperger Syndrom, mag in der normalen Welt behindernd wirken und für betroffene Eltern eine Last sein, im Geek-Umfeld jedoch, wirkt ein Aspie jedoch durchaus 'normal'.
So auch der Tenor des Slashdot-Kommentars.
Reizoffenheit ist die Hauptursache des Asperger-Syndroms, aber auch von AD(H)S, Lese-Rechtschreibschwäche und von ... genialen Leistungen.
In welche Richtung diese Reizoffenheit ausschlägt hängt nicht nur von der genetischen Veranlagung ab, sondern auch von der Entwicklung im Kindes- und Jugendalter, sozialen und Umwelteinflüssen und den jeweiligen Lebensumständen. Und es ist ebenfalls nicht für das ganze Leben festgeschrieben.
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