Jakob Augstein hat im Spiegel danebengegriffen. Mal wieder musste Autismus als Synonym herhalten. Ich denke, Herr Augstein wollte an dieser Stelle eigentlich "Herzlosigkeit" verwenden, aber da jene Menschen, die sich von seinem Text angesprochen fühlen sollten bei "Herzlosigkeit" gleich geistig auf Bildschirmschoner schalten, musste der klangvolle Begriff Autismus herhalten.
Auf seiner
Facebook-Seite verteidigt er selbst, dass er den Begriff verwendet hat und weitere Menschen stimmen ein, beklagen sich unter anderem über das neuerliche "Begriffsverbot". Dazu habe ich meine 2 Cent geworfen und ich möchte diese auch hier nochmal festhalten:
Es geht hier nicht darum einen Begriff zu verbieten, es geht darum den zunehmenden mißbrauch eines Begriffs zu vermeiden und konkrete negative Auswirkungen auf einen Teil der Bevölkerung zu vermeiden.
Autismus ist kein Begriff wie beispielsweise "Mohrenkopf". Der Begriff Mohr hat sich aus dem mittelalterlichen Begriff "Maure", der die aus Nordafrika stammende Volksgruppe bezeichnete, die lange Zeit über weite Teile von Spanien herrschte, entwickelt und ist somit seit Jahrhunderten Bestandteil der Sprache. Es ist eine Folge moderner Political Correctness, dass dieser Begriff nicht mehr verwendet werden soll. Den Sinn dahinter stelle ich nicht in Frage, da sich die so bezeichneten tatsächlich diskriminiert fühlen.
Autismus aber, ist ein moderner Begriff, der erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts überhaupt existiert. Er diente nur um eine von Leo Kanner und später Hans Asperger erforschte Entwicklungsstörung zu beschreiben.
Erst im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte wird der Begriff mißbräuchlich verwendet. Dieser Mißbrauch ist also auch neu, keinesfalls eingebürgert und längst kein Bestandteil der Alltagssprache.
IMMER wenn Autismus verwendet wird, wird der Begriff eigentlich als Synonym gebraucht. Immer wird dadurch ein anderer Begriff ersetzt, der eigentlich viel treffender wäre. Ich habe Autismus als Synonym erlebt für Selbstbezogenheit, Egoismus, Zurückgezogenheit, Herzlosigkeit, Gedankenlosigkeit, Sturheit, Nicht-Zuhören, Kommunikationsunfähigkeit, Sein-Ding-durchziehen, Gefühlskälte, Emotionslosigkeit sowie für die intensive Nutzung moderner Medien.
IMMER verwendeten die jeweiligen Autoren den Begriff, weil er sich besser und gebildeter anhört als die eigentlich treffenden Begriffe und weil er quasi als angenehmen Nebeneffekt die so Bezeichneten auch noch pathologisiert.
Der Begriff wird immer genommen um andere zu diskreditieren und damit diskreditiert er vor allem die Autisten selbst, denen in der Folge all jene schlechten Eigenschaften zugeschrieben werden. Es tut niemandem weh auf einen Begriff zu verzichten, der die Sprache um ihren Reichtum beschneidet, anstatt sie zu bereichern. Der zusätzlich noch eine Gruppe von Menschen diskriminiert und die Aufklärung über Autismus behindert.