Als aufmerksamkeitsgestörtes Wesen ist man angehalten vor allem eines zu lernen: fokussieren auf dass was man tut. Methylphenidat/Ritalin und anderes hilft chemisch beim Fokussieren. Aber leider hilft es ein wenig in die richtige Richtung, reicht aber noch lange nicht.
Bei mir führen lange Texte, vor allem wenn sie nur wenig 'aufgelockert' sind - kein Wunder das viele ADSler lieber Comics lesen als Bücher - zu einem beinahe unwiderstehlichen Schlafdrang. In Minutenschnelle versuchen meine Lider mich zu überzeugen das die Schwerkraft stark eingegrenzt auf mindestens 4G angestiegen ist und sie sich schließen wollen. Jetzt! Sofort!
Dieser Drang steigt mit zunehmender Trockenheit des Textes. Jeder Absatz eines Fachbuchs den ich tatsächlich gelesen habe, gerät so zu einer kleinen
Schlacht bei Agincourt. Auf der Seite von Henry V.
Jeder, der der Ansicht ist, ich wüsste ja so umwerfend viel, kann nun ermessen wie hart das errungen worden ist.
Dieser reale Kampf gegen die Müdigkeit, steht im krassen Gegensatz zu meiner Liebe zu Büchern, Wissen und dem Lesen. Verstehbar ist es wohl nur wenn man es mit einem Spitzensportler vergleicht, der jeden Meter mehr, jeden Zentimeter weiter unter Schmerzen erringt, dessen Gelenkapparat mit 25 schon knirscht wie eine rostige Lokomotive ... der aber dennoch liebt was er tut und nicht aufhören kann.
Irre. Durchaus. Aber real.
So ein bisschen hege ich ja immer noch die Hoffnung dass es irgendwann besser werden könnte. Dass es nur den richtigen Trick braucht und ich den nur finden muß. Unter anderem deswegen begann ich mich vor einer Weile mit Speedreading zu beschäftigen. Besonders bei englischen Quellen zum Thema, stößt man auf Informationen die Speedreading mit Hilfsmitteln verknüpfen die unter anderem für Legastheniker empfohlen werden.
Das Ganze sehr gelassen, nicht schambesetzt, ohne esotherische Verquickung oder das Bündel an halbwissenschaftlichen Rechtfertigungen die man in Deutschland im Bereich Legasthenie zusammenschustert. Wenn man hier die Existenz dieser Lernstörung überhaupt anerkennt und sie nicht krampfhaft versucht auf Faulheit oder Dummheit zurückzuführen.
Die Hilfsmittel ...
Leselineale (2),
Lesestäbe (2) und
Hellfeldlupen (2) (3) kommen zwar teilweise aus dem Bereich für Menschen mit hohen Dioptinzahlen oder alte Menschen. Das sollte aber weder er- noch abschrecken.
Sie vergrößern nicht nur sondern erfüllen auch den Zweck den Text in kleine Lesehäppchen herunterzubrechen ganz wunderbar. Auf diese Häppchen kann man sich besser fokussieren, während bei einem langen Text mit nur wenigen Absätzen das Hirn ganz hurtig auf Bildschirmschoner schaltet.
Über besagte englische Texte stolperte ich über
Colored Reading Ruler und obwohl ich alle Infos zum
Irlen Syndrom immer zu hart an der Eso-Grenze empfand, schien der Versuch
nach einem kurzen Selbsttest nicht zu unrealistisch.
Das Testpack von
Crossbow Education brachte zu Tage dass ich mit den Linealen der Farbrichtung "Jade" die Buchstaben subjektiv schärfer zu sehen scheine. Und falls das reine Psychosomatik sein sollte: die farbliche Abgrenzung eines Textteils entwirrt die Textwüste, macht das Fokussieren und damit das Lesen leichter und lässt mich Informationen schneller aufnehmen.
Soweit zum Lesen auf toten Bäumen.
Das meiste Lesen geschieht bei mir ebenfalls nicht mehr auf Papier, sondern am Bildschirm. Und auch wenn das Lesen dort aus unerfindlichen Gründen etwas leichter zu fallen scheint.. an
Textwüsten wie dieser scheitert meine Aufmerksamkeit und nach einem Moment dann auch jede Selbstdisziplin. Alles auszudrucken ist keine Lösung.
Was aber eine Lösung wäre: ein Tool welches einem auch auf dem Rechner einen langen Text in schönen Häppchen einfärbt.
Gibt es natürlich, aber programmübergreifend natürlich mal wieder nur für
Windows-PCs. Da das meiste Lesen sowieso im Browser stattfindet, aber fast kein Webseitenbetreiber seine Seiten für
Leute wie mich gepimpt hat, würde ein Firefox-Add-On schon viele Schmerzen beseitigen.
Eigentlich wäre
Paragrasp (
Artikel bei Lifehacker) genau was ich brauche. Leider ist es schon bei einem normalen S9Y-Blog nicht in der Lage Absätze zu finden.
Die zweitbeste Lösung
Tidyready hilft zwar vor allem auf chaotischen, überdesignten Webseiten überhaupt noch den Textinhalt zu erfassen, lässt aber (eigentlich) immerhin die Schriftgröße und die Hintergrundfarbe definieren. <zyn> Wählt man die Schrift groß genug passt ohnehin nur noch ein Absatz auf den Bildschirm</;zyn>. Leider hat sich Tidyread mindestens auf einem meiner Rechner so zickig, dass es mich weder die Einstellungen öffnen lässt, noch starten mag.
Während die Situation bei Treeware also zu meiner vollen Zufriedenheit unter Kontrolle ist, geht die Suche nach dem richtigen Computer-/Online-Tool weiter. Vollkommen ungeklärt ist auch die Situation mit PDF-Readern. Leider neigen PDFs öfter zur Textwüstigkeit und irgendein kleines Tool wäre mehr als willkommen. Kennt da jemand was?
P.S.:
Ja, ich weiss die Webseite von Crossbow Education ist scheusslich und eine Herausforderung für die Aufmerksamkeit selbst bei vollkommen ADS-freien Menschen. Tut mir leid.