Seit einigen Wochen besuche ich einen
DGS-Kurs. DGS stellt eine extrem hohe Anforderung an genau die Bereiche der Koordination und Wahrnehmung, die mir nicht gerade leicht fallen. Neue Gebärden - Vokabeln - müssen nicht nur in der Ausführung korrekt sein, sondern müssen durch Mimik und Lautformen der Worte mit den Lippen ergänzt werden.
Hier ist es wie beim Autofahren, das Zusammenspiel der Handlungen muß erst erlernt werden und ein Aspie/ADSler braucht wahrscheinlich etwas länger als der Durchschnitt. Dennoch kam ich bisher recht gut mit, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt das ich immer nur mit gut angeflutetem MPH dort antrat.
Gestern nun war der Tag von vorne bis hinten mehr oder weniger für den Arsch. Ich war noch nicht wirklich auf den Wochenanfang eingestellt, ging daher zu spät aber noch nicht wirklich müde zu Bett und schlief schwer ein.
Morgens hing mir also das Blei in den Gliedern und trotz MPH wurde ich den ganzen Tag über nicht richtig wach. Ich vergaß rechtzeitig vor Kursbeginn noch einmal MPH nachzunehmen, bekam das Gähnen daher absolut nicht abgestellt.
Auch sonst.. meine Aufmerksamkeit reichte nicht von jetzt bis eben, ich verstand die Aufgaben gar nicht, oder falsch, ich hatte die neu vorgestellten Vokabeln innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder vergessen, selbst das relativ langsame Buchstabieren per Handalphabet durch meine Mitschüler war viel zu schnell um von mir verstanden zu werden und auch bei den Übungen zur Schulung der Wahrnehmung, bzw. zur Erhöhung von deren Genauigkeit hatte ich mitten in der Übung vergessen wie sie angefangen hatte.
Abgesehen davon, dass ich mich natürlich über den Verlauf der Unterrichtsstunde, bzw. meine mangelnde Fähigkeit trotz aller Selbstdisziplinierungsversuche keine Aufmerksamkeit aufrecht halten zu können, ärgere, ist es doch wieder eine schöne Gelegenheit abzugleichen wie es ohne unterstützende Medikation wäre. Nicht erstrebenswert.. ganz und gar nicht erstrebenswert .. und extrem frustrierend.
Davon ab ist DGS vielleicht - gerade weil es so viele Fähigkeiten fordert (und fördert) die ich im Normalfall nur schwer zu leisten in der Lage bin - keine schlechte AS-Therapie. Der Unterricht setzt genau an den Defiziten an und übt, was im normalen Alltag sonst nie gezielt geübt wird.
Es ist schwer, und das Frustrationspotential daher nicht gering, aber ich persönlich kann anderen Betroffenen nur empfehlen mal einen DGS-Kurs auszuprobieren und zu sehen ob es hilft Mimik und Gestik bewusster einzusetzen und vor allem auch bewuster zu erkennen, sowie die eigene Wahrnehmung zu schärfen und zu fokussieren.