Eigentlich hatte ich dieses Blog vor allem angelegt um den Fortgang (oder nicht Fortgang) meiner eigenen Therapie zu dokumentieren. Ein Ziel das ich mit der Zeit scheinbar immer mehr aus den Augen verloren hatte.
Daher versuche ich den bisherigen Weg noch einmal zu skizzieren:
Im letzten August begab ich mich zu einem Arzt mit 20 Jahren Erfahrung in der Behandlung von AD(H)S in Therapie. Die medikamentöse Seite wurde mit Edronax begonnen. Ein Erfolg war nicht zu ermessen. Die negativen Nebenwirkungen kamen zwar nicht so geballt wie seinerzeits bei SSRI, aber sie waren da: Antriebslosigkeit, Phantasielosigkeit, mangelnde Libido, allgemeines Gedämpft-Fühlen und keinerlei antidepressive Wirkung.
Danach gab es Ritalin: Wirkung vorhanden, aber die Einnahme war nicht so super. Ohne äußere Struktur rutschte ich in eine beständige Achterbahn von An- und Abfluten der Wirkung, die sich nicht wirklich gut auf Körper und Geist auswirkte. Tagesdosis ging damals bis 60mg/Tag. Es folgte der erste Versuch mit einem Retard-Präperat. Concerta in der 54mg Form.
Bei Concerta war der Wirkstoffspiegel zwar gleichmäßig, danach kam aber Abends der große Rebound-Hammer und ich fühlte mich nach Abflauen des Wirkstoffs eher wie Gemüse als wie ein denkendes Wesen. Konzentration war nach Abflauen allenfalls in mikroskopischen Dosen zu finden.
Zudem schien der Wirkstoffspiegel auch wieder zu gering um andere Erscheinungen von AD(H)S zu dämpfen, z.B. das PMS.
Anschließend der erste Versuch mit Medikinet Retard. Trotz Dosis bis 50mg/Tag blieben Schusseligkeit und andere unangenehme Effekte der AD(H)S bis zu einem unangenehm großen Grad vorhanden.
Daher entschied mein Arzt erst noch einmal weitere Präperate auszuprobieren. Das erste Medikament war Axura, das scheinbar bei vielen AD(H)S Patienten sehr gut anschlägt.
Ich jedoch fühlte mich von Axura geradezu in eine Depression hineingezogen, ohne etwas dagegen unternehmen zu können.
Als nächstes war Petylyl dran, ein trizyklisches Antidepressivum.
Auch hier fühlte ich mich dauergedämpft, vollkommen antriebslos, und kämpfte somit nicht nur gegen mich selbst und mein AD(H)S, sondern auch gegen die Wirkungen des Medikaments. Ein sehr kräftezehrender Kampf, der nahezu alle Errungenschaften zunichte machte, die ich in den Monaten unter Methylphenidat erreicht hatte.
Der nächste Versuch war ein Medikament das auch zu den Stimulantien gezählt wird: Tradon.
Auch hier hatte ich eher einen gegenteiligen Effekt, nahezu paradox, als im Beipackzettel angekündigt war.
Statt wach war ich dauermüde und schleppte mich durch einen ewigen Tran.
Ich setzte das Medikament kurzerhand ab und blieb bis zum nächsten Arzttermin substanzfrei. In dieser Zeit konnte ich mehr erreichen als unter allen drei vorhergehenden Medikationen zusammen, trotz das die AD(H)S Symptome nun natürlich wieder unbehandelt waren.
In der Zeit litt ich auch wieder unter extremer PMS, die mich nahezu 2 Wochen pro Monat flachlegte und sowohl mir selbst als auch meinem Ehemann Lebensqualität raubte.
Ein weiterer Versuch mit Strattera (Reboxetin) wurde von mir kategorisch abgelehnt. Vor allem wegen meiner Reaktion auf Edronax wollte ich keinen weiteren SNRI ausprobieren.
Daher kehrten wir vorerst zu Methylphenidat zurück, das wenn auch nicht ideal, so zumindest hilfreich wirkte.
Derzeit bin ich bei 45mg/Tag, eine Substanzmenge die ich bis auf Weiteres auch beibehalten werde.
40mg nehme ich morgens als Retard-Präperat ein (hier wieder Medikinet Retard 20mg), 5mg Ritalin nehme ich ca. eine halbe Stunde vor dem Einschlafen, was mir ein schnelleres Einschlafen und einen erholsameren Schlaf verschafft. Wenn auch nicht 100%ig zuverlässig.
Es erscheint als wären durch die anderen Medikamentgaben zwischendurch meine Botenstoffe derart durcheinandergewirbelt worden, so das ich zum Teil bei MPH eine andere Wirkweise beobachte als noch vor der Pause. Zum Beispiel wirkte MPH vor der Pause kaum bis gar nicht auf meinen Appetit. Nun spüre ich für 6-7 Stunden eine deutlich appetitdämpfende Wirkung.
Ein Rebound ist bei dieser Dosierung für mich kaum zu spüren, was ich als sehr angenehm empfinde, da ich auch spät abends dann noch konzentriert sein kann, wenn mich etwas interessiert, statt das mein Hirn dann wirklich nur noch auf Notstrom fährt.
Auch scheint mir die konzentrationsfördernde Wirkung stärker als früher, allerdings kann es auch damit zusammenhängen, das ich im Augenblick Aufgaben habe, die mir besser liegen. Schlicht Spaß machen.
Wie genau MPH für mich wirkt, werde ich demnächst in einer Art Kassensturz noch einmal genauer beschreiben.