Heute war eine Mail auf
add-de Anlass um mit Gedanken über ein Thema zu machen. Und zwar nicht die Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol oder Heroin, sondern die Abhängigkeit von Bestätigung und Liebe.

Sinngemäß lautete der Satz der etwas anspringen ließ
'mir fällt nur auf wie sie alles tut um Mami zu trösten wenn sie traurig ist..' und die vorangegangene Mail ließ vermuten das es sich nicht um einen einmaligen Vorfall handelt sondern um ein regelmäßig stattfindendes Ereignis.
Warum ich das schlimm finde?
Jeder Mensch braucht Bestätigung. Das Gefühl einen Sinn im Leben zu haben, nützlich zu sein.
Bei einem Gespräch mit meiner Therapeutin sprach diese mich darauf an, das ich mich ja sehr von anderen abhängig machen würde, wenn ich mir diese Bestätigung nur von aussen holen würde.
Tatsächlich überstieg es meine Vorstellungsmöglichkeiten auch nur in Erwägung zu ziehen, das ein Mensch in sich ruhen könne. Das sein Selbstbewusstsein gesund genug sein könne um nicht Arbeit, Freunde oder sonstige Aktivitäten zu
brauchen um diese Sicherheit eines Lebensinhalts und eines Sinns, immer wieder von Neuem aufzufrischen.
Mein Selbstbewusstsein ist, gelinde gesagt, dauerhaft in Urlaub. Es muß sich schon kurz nach meiner Geburt freigenommen haben, denn ich scheine hin und wieder nur Ansichtspostkarten zu erhalten, mehr nicht.
Aber es fällt einem nicht leicht eines aufzubauen, wenn man immer nur das 'schreckliche Mädchen' ist und einem irgendwann auch wortwörtlich gesagt wird, dass das Verhältnis Zuhause ja nur deswegen so gestört gewesen sei, weil ich in der Schule so schlecht war.
(An dieser Stelle will ich noch einmal auf meine Zeugnisse verweisen, die im Nachhinein eine Schülerin zeigen die in einzelnen Fächern sicherlich Leistungsschwächen aufwies, die in allen anderen Fächern zusammen aber unproblematisch den Durchschnitt einer guten Zwei geschafft hätte)
Somit brauchte und brauche ich tatsächlich meine Umwelt, die mir hilft eine Art rudimentäre Existenzberechtigung zu haben.
Eine große Portion davon, so groß das ich vollkommen überwältigt davon war, erhielt ich mit meiner Heirat. Das Gefühl bedingungslos und ehrlich geliebt zu werden, war sicherlich das Stärkste und Schönste was mir je widerfahren ist.
Von diesem Glücksberg habe ich eine ganze Weile lang gelebt.
(Computer)-Technik gibt mir ebenfalls dieses Gefühl. Ein Problem geknackt zu haben oder einem anderen Menschen bei einem Problem weitergeholfen zu haben, reicht durchaus schon für einen guten Tag.
Ein anderer Weg war das Schreiben. Jahrelang war das Feedback aus einem
EMail-Rollenspiel mein Benzin.
Früher als ich noch bei meinen Eltern lebte, war es das Tanzen (Standard und Latein). Das ich gerne semi-professionell weiterbetrieben hätte. Aber es sollte eben nicht sein.
Somit kann ich mir besser vorstellen, das auch andere Menschen ständige Selbstbestätigung brauchen, als das jemand dies überhaupt nicht benötigen könnte.
Meine Mutter forderte von mir 'Dankbarkeit' ihr gegenüber. Auch eine Form davon.
Mein überflüssigster Ex-Freund aus einer bayrischen Metropole fuhr sogar die extrem agressive Schiene ständiger Liebesbeweise:
'Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann...',
'Du liebst mich nicht, sonst hättest du mich nicht so enttäuscht...'
Beide Vorgehensweisen sind ganz unbeschönigt emotionale Erpressungen.
Und das, ist denke ich das Problem.
Wenn die Arbeit keine Selbstbestätigung bringt, oder nicht genug und das auch sonstige Aktivitäten nicht tun, oder gar weder Arbeit noch sonstige Betätigung vorhanden ist, dann muß der Partner herhalten. Oder eben noch viel schlimmer, die Kinder.
Und gerade Frauen mit wenig oder keinem Selbstbewusstsein, neigen dazu früh Kinder zu bekommen und dies nur aus einem einzigen Grund: Dmit sie jemand lieb hat.
Kinder, die irgendwann zu Erwachsenen werden. Kinder die irgendwann feststellen werden, das sie benutzt und abhängig gemacht wurden. Kinder, die nicht in sich selbst ruhen, weil ihr Lebenssinn darin bestand Mami glücklich zu machen.
Na denn Prost.